Gehalt im neuen Job: was du forderst, wie du es sagst.
Aus fünf Angaben wird ein Plan zum Ausdrucken: welche Gehaltsvorstellung du nennst, wie du einsteigst und was du auf die typischen Fragen im Bewerbungsgespräch antwortest.
Gehaltsverhandlung beim Jobwechsel: vom Erstgespräch bis zum Vertrag
Beim Jobwechsel verhandelst du einmal und lebst jahrelang mit dem Ergebnis. Jede spätere Erhöhung baut auf deinem Einstiegsgehalt auf. Gleichzeitig ist deine Position selten so stark wie in dem Moment, in dem ein Unternehmen dich haben will. So nutzt du ihn, in acht Schritten.
1. Kenne den Marktwert der Rolle, nicht nur deinen bisherigen
Warum: Dein neues Gehalt richtet sich nach der neuen Rolle, nicht nach deinem alten Vertrag. Wer vom alten Gehalt aus rechnet, landet bei „ein bisschen mehr als bisher“ und verschenkt oft viel.
Wie: Nutze Gehaltsvergleiche, Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe und Gespräche mit Menschen in ähnlichen Rollen. Achte auf Branche, Region, Unternehmensgröße und Verantwortung.
2. Leg Ziel und Schmerzgrenze fest, bevor du dich bewirbst
Warum: Die Frage nach der Gehaltsvorstellung kommt oft früh, manchmal schon im Bewerbungsformular. Wer dann erst überlegt, nennt eine zu vorsichtige Zahl.
Wie: Bestimme dein Ziel und deine Schmerzgrenze als Jahresbrutto. Die Schmerzgrenze ist der Betrag, unter dem sich der Wechsel für dich nicht lohnt. Rechne dabei alles mit, was sich ändert: Fahrtweg, Bonus, Urlaubstage, Dienstwagen, betriebliche Altersvorsorge.
3. Deine Gehaltsvorstellung ist dein Anker
Warum: Die erste Zahl prägt das Ergebnis. Nennst du deine Gehaltsvorstellung in der Bewerbung oder im Gespräch, setzt du den Rahmen, bevor das Unternehmen seinen eigenen nennt. Auch erfahrene Personaler entkommen diesem Ankereffekt nicht.
Wie: Nenne eine Zahl über deinem Ziel, am oberen Ende dessen, was sich mit Marktwert und Erfahrung begründen lässt, und gern eine krumme Zahl wie 75.400 statt 75.000. Kennst du den Marktwert nicht, frag zuerst: „Welches Budget haben Sie für diese Position vorgesehen?“
4. „Was verdienen Sie aktuell?“ – lenke auf die neue Rolle
Warum: Die Frage bindet dein neues Gehalt an dein altes. Das ist für das Unternehmen bequem, für dich selten gut.
Wie: Du musst die Frage nicht beantworten. Lenke freundlich um: „Mein bisheriges Gehalt spiegelt eine andere Aufgabe wider. Für diese Rolle mit mehr Verantwortung sehe ich mein Gehalt bei 75.400 Euro.“ Wenn du eine Zahl nennst, dann eine ehrliche.
5. Der erste Satz: Interesse, dann Zahl, dann Begründung
Warum: Wer zögert oder sich entschuldigt, lädt zum Handeln ein. Wer Interesse und Zahl klar verbindet, wirkt souverän.
Wie: „Die Aufgabe reizt mich sehr, und ich glaube, wir passen gut zusammen. Auf Basis meiner Erfahrung mit [Ergebnis] sehe ich mein Gehalt bei 75.400 Euro brutto im Jahr.“ Dann schweigen. Den Satz formuliert dir der Planer oben aus deinen Angaben.
6. „Das ist mehr, als wir geplant haben“
Warum: „Das ist mehr, als wir geplant haben“ und „Bei uns gibt es feste Gehaltsstrukturen“ sind die häufigsten Antworten. Wer sich dann rechtfertigt oder sofort nachgibt, verliert.
Wie: Nimm den Einwand zur Kenntnis: „Halte ich fest.“ Frag nach dem Rahmen: „Was haben Sie sich vorgestellt?“ Dann schweigen und zuhören. Und biete Optionen an: „Ich bin flexibel in der Zusammensetzung: Fixum, Bonus, Startdatum, Weiterbildung. Wichtig ist mir das Gesamtpaket.“
7. Verhandle das Gesamtpaket
Warum: Wenn das Fixgehalt ausgereizt ist, gibt es oft noch Spielraum an anderer Stelle, und der ist für das Unternehmen manchmal leichter zu geben.
Wie: Denk an Startbonus, variablen Anteil, Urlaubstage, mobiles Arbeiten, Weiterbildungsbudget, Dienstwagen oder Jobrad und einen früheren Termin zur Gehaltsüberprüfung. Gib Zugeständnisse beim Fixum nur gegen etwas davon.
8. Alles in den Vertrag
Warum: „Nach der Probezeit reden wir nochmal“ ist eine Absichtserklärung, keine Zusage.
Wie: Lass Gehalt, Bonus, Zusatzleistungen und eine vereinbarte Anpassung nach der Probezeit mit Betrag und Bedingungen in den Arbeitsvertrag oder eine schriftliche Zusatzvereinbarung schreiben.
Die Fehler, die beim Wechsel am meisten kosten
- Vom alten Gehalt aus rechnen statt vom Marktwert der neuen Rolle
- Eine vorsichtige Gehaltsvorstellung in die Bewerbung schreiben
- Das aktuelle Gehalt nennen, ohne auf die neue Rolle umzulenken
- Nur über das Fixum verhandeln
- Zusagen für die Zeit nach der Probezeit nicht schriftlich festhalten
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Fragen zur Gehaltsverhandlung im neuen Job
Wann spreche ich im Bewerbungsprozess über das Gehalt?
Meist fragt das Unternehmen danach, oft schon in der Stellenanzeige als Gehaltsvorstellung oder im ersten bis zweiten Gespräch. Am stärksten bist du, wenn das Unternehmen dich will: nach einem guten Gespräch, wenn es um die konkrete Zusammenarbeit geht. Eine Zahl solltest du aber schon ab der Bewerbung parat haben.
Welche Gehaltsvorstellung schreibe ich in die Bewerbung?
Eine begründete Zahl am oberen Ende dessen, was die Rolle am Markt bringt, als Jahresbrutto. Sie ist dein Anker für das spätere Gespräch. Wer hier zu niedrig einsteigt, kommt später kaum darüber hinaus.
Muss ich sagen, was ich aktuell verdiene?
Du musst nicht, und oft hilft es dir nicht, weil es dein neues Gehalt an dein altes bindet. Lenke auf die neue Rolle: „Mein bisheriges Gehalt spiegelt eine andere Aufgabe wider. Für diese Rolle sehe ich mein Gehalt bei …“ Wenn du eine Zahl nennst, dann eine ehrliche.
Kann ich nach der Probezeit nachverhandeln?
Ja, aber verlass dich nicht darauf. Wenn eine Anpassung nach der Probezeit vereinbart wird, lass Betrag und Bedingungen in den Arbeitsvertrag oder eine schriftliche Zusatzvereinbarung schreiben.
